Zecken bei Mensch, Hund und Katze: Schutz, Entfernung und die wichtigsten Krankheiten
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Draussen elterntipps.ch Familie Familienleben Garten gartenaktuell.ch Gesundheit Haustiere Hunde hundenews.ch Jahreszeiten Katzen katzennews.ch Krankheiten Magazine nachrichtenticker.ch Natur Natur & Naturereignisse Natur & Umwelt Orte Pflanzen Regionen Schweiz Schweiz Sommer Themen Tiere Tierwelt tierwelt.news Verbreitung Wildtiere xund24.ch
Ein Spaziergang durch den Wald, eine Runde im hohen Gras, ein Nachmittag im Garten – und abends beim Absuchen taucht sie auf: eine Zecke, gut versteckt hinter dem Ohr des Hundes, im Bauchnabel des Kindes oder im Nacken. Zecken sind in der Schweiz längst überall präsent, und wer weiss, wie man sich schützt und was im Ernstfall zu tun ist, kann entspannter draussen sein.
Zecken sind keine Katastrophe – aber sie sind auch kein Thema, das man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Sie können Krankheiten übertragen, die ohne rechtzeitige Behandlung ernsthaft werden. Das gilt für Menschen genauso wie für Hund und Katze. Ein Überblick für die ganze Familie.
Wo und wann Zecken aktiv sind
Der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die häufigste Zeckenart in der Schweiz. Er lauert nicht auf Bäumen – das ist ein verbreiteter Mythos – sondern sitzt an Grashalmen, Unterholz und Laubstreu bis zu etwa anderthalb Metern Höhe und wartet darauf, von einem vorbeistreichenden Tier oder Menschen abgestreift zu werden. Zecken bevorzugen feuchte, warme Lebensräume: Laubwälder mit Unterholz, hohes Gras, Gebüsch und Waldränder. Doch auch im Garten, auf der Wiese oder im Stadtpark können sie vorkommen. Die Saison dauert laut BAG von März bis Oktober, wobei die Aktivität im Frühsommer und Herbst besonders hoch ist. Ab etwa 1’500 Metern über Meer nimmt das Risiko deutlich ab. Wichtig: Sobald die Aussentemperatur dauerhaft über acht Grad liegt, werden Zecken aktiv – in milden Wintern kann das bedeuten, dass sie fast ganzjährig anzutreffen sind.
Was Zecken übertragen können
Die beiden wichtigsten durch Zecken übertragbaren Krankheiten in der Schweiz sind Borreliose und FSME.
Borreliose ist eine bakterielle Infektion, die in der Schweiz in allen Kantonen vorkommen kann. Laut BAG tragen je nach Region zwischen 5 und 30 Prozent der Zecken die entsprechenden Borrelien-Bakterien. Das typische Frühzeichen ist ein sich kreisförmig ausbreitender Hautausschlag (Wanderröte) um die Stichstelle. Wird die Infektion früh erkannt, ist sie mit Antibiotika gut behandelbar. Unbehandelt kann sie Gelenke, Nerven und in seltenen Fällen das Herz befallen. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es bislang nicht.
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine Virusinfektion, die das Nervensystem angreifen kann. In der Schweiz gilt mittlerweile fast die gesamte Schweiz als FSME-Risikogebiet – laut BAG ausgenommen ist aktuell einzig der Kanton Tessin. Etwa 0,5 Prozent der Zecken in Risikogebieten tragen das FSME-Virus. Bei 5 bis 15 Prozent der Infizierten wird das Zentralnervensystem befallen, was zu Kopfschmerzen, Schwindel und im schlimmsten Fall zu bleibenden Schäden führen kann. Eine wirksame Impfung steht zur Verfügung und wird vom BAG allen Personen ab drei Jahren empfohlen, die sich in Risikogebieten aufhalten. Die Kosten werden von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen (Selbstbehalt und Franchise bleiben).
Schutz für Menschen: Was wirklich hilft
Vollständigen Schutz vor Zeckenstichen gibt es nicht – aber das Risiko lässt sich gut verringern:
- Geschlossene, helle Kleidung beim Waldspaziergang: lange Hosen in die Socken stecken, langärmlige Shirts. Helle Kleidung erleichtert das Entdecken von Zecken.
- Repellentien mit dem Wirkstoff Icaridin oder DEET auf Haut und Kleidung auftragen – sie halten Zecken zuverlässig ab.
- Nach jedem Aufenthalt im Freien Körper und Kleidung gründlich absuchen, besonders Haaransatz, Ohren, Achseln, Nacken, Kniekehlen, Leistenbeuge und Bauchnabel.
- FSME-Impfung rechtzeitig auffrischen – der Schutz hält nach der Grundimmunisierung zehn Jahre lang an.
Nützlich ist auch die kostenlose App «Zecke» des BAG: Nach dem Eintrag eines Zeckenstichs erinnert sie an den richtigen Zeitpunkten daran, auf Borreliose-Symptome zu achten.
Zecken beim Hund: Risiken und Schutz
Hunde gehören zu den Lieblingswirten von Zecken – und wer täglich mit seinem Hund in der Natur unterwegs ist, gehört automatisch zur Risikogruppe. Zecken befallen Hunde besonders an Kopf, Hals, Brust, Bauch und zwischen den Zehen. Bei langhaarigen Rassen sind sie im Fell oft schwerer zu finden. Die wichtigsten durch Zecken übertragbaren Krankheiten beim Hund in der Schweiz sind Borreliose, Babesiose (auch «Hunde-Malaria» genannt), Anaplasmose und Ehrlichiose. Symptome können Fieber, Erschöpfung, Gelenkschmerzen und Appetitlosigkeit sein. Wer solche Anzeichen nach einem Zeckenstich beobachtet, sollte rasch den Tierarzt aufsuchen.
Für den Zeckenschutz beim Hund gibt es mehrere bewährte Methoden. Spot-on-Präparate werden auf die Haut im Nacken aufgetragen, dort wo der Hund sie nicht ablecken kann, und wirken je nach Produkt drei bis vier Wochen. Tabletten gelangen über den Blutkreislauf und bieten bis zu zwölf Wochen Schutz – ihr Vorteil: kein Wirkstoff auf der Haut, was besonders in Haushalten mit kleinen Kindern praktisch ist. Halsbänder mit Wirkstoff ergänzen den Schutz, sollten aber beim Baden entfernt werden, da der Wirkstoff für Wassertiere giftig ist. Welches Mittel für den eigenen Hund passt, hängt von Alter, Grösse, Gesundheitszustand und Lebensweise ab – eine Beratung beim Tierarzt ist empfehlenswert.
Zecken bei der Katze: Ein wichtiger Unterschied
Auch Katzen können von Zecken befallen werden, vor allem Freigänger. Bei Katzen tritt von den zeckenübertragenen Krankheiten vor allem die Anaplasmose auf, andere Erkrankungen sind seltener als beim Hund. Was aber unbedingt beachtet werden muss: Viele Zeckenschutzmittel, die für Hunde geeignet sind, sind für Katzen lebensgefährlich. Insbesondere der Wirkstoff Permethrin – in vielen Hunde-Spot-ons enthalten – kann bei Katzen zu schweren Vergiftungen führen. Auch Teebaumöl darf keinesfalls bei Katzen eingesetzt werden. Laut der Stiftung Vier Pfoten Schweiz sind für Katzen Spot-on-Präparate oder Tabletten den Halsbändern vorzuziehen, da sich Katzen beim Klettern und Streifen am Halsband verhaken können. Welches Präparat geeignet ist, klärt der Tierarzt – und die Packungsbeilage muss in jedem Fall sorgfältig gelesen werden.
Video-Tipp: Zecke richtig entfernen – beim Tier und beim Menschen
Wie eine Zecke korrekt entfernt wird – beim Menschen genauso wie beim Hund oder der Katze – zeigt dieses aktuelle Video aus dem Jahr 2025 Schritt für Schritt. Auch typische Fehler wie das ruckartige Ziehen oder das Einölen werden erklärt.
Zecke entfernen: So geht es richtig
Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Infektionsrisiko – das gilt besonders für Borreliose, deren Übertragung erst nach mehreren Stunden beginnt. Die richtige Technik:
- Zeckenkarte oder feinspitzige Pinzette direkt an der Haut ansetzen, so nah wie möglich am Kopf der Zecke.
- Zecke sanft gerade herausziehen oder leicht drehen – Drehbewegungen erfordern laut aktueller Forschung weniger Kraft und sind schonender.
- Nicht ruckartig ziehen – dabei reisst der Kopf ab.
- Kein Öl, keine Creme, kein Klebstoff auf die Zecke auftragen – das reizt das Tier und kann dazu führen, dass mehr Erreger abgegeben werden.
- Stichstelle desinfizieren und in den Folgewochen beobachten.
- Bei Hund und Katze ist eine zweite Person hilfreich, die das Tier beruhigt und festhält.
Entsorgt wird die Zecke am besten, indem man sie auf Klebeband fixiert und in den Hauskehricht gibt. Nicht ins WC spülen – Zecken können Wasser überleben.
Fazit
Zecken gehören in der Schweiz zur warmen Jahreszeit wie Mücken zum Abend. Wer sich und sein Tier regelmässig absucht, die FSME-Impfung aktuell hält und bei Hund und Katze auf einen tierärztlich empfohlenen Zeckenschutz setzt, kann damit gut leben. Den ersten Ausflug in den Wald wegen Zecken abzusagen lohnt sich nicht – das richtige Wissen lohnt sich dagegen immer.
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