Pflegestelle für Katzen werden in der Schweiz: Was ist zu beachten (Recht, Alltag, Kosten)

Eine Katze sitzt plötzlich im Treppenhaus, mager und scheu. Oder ein Tierschutzverein ruft an, weil eine Mutterkatze mit Kitten dringend einen ruhigen Ort braucht. In der Schweiz sind solche Situationen häufig, und Pflegestellen für Katzen sind dann oft die beste Übergangslösung.

Wer eine Katze auf Zeit aufnimmt, schenkt ihr mehr als Futter und ein warmes Plätzchen. Du gibst Sicherheit, Beobachtung und Alltag, bis sie gesund ist oder ein gutes Zuhause findet. Das ist Tierschutz, ganz praktisch, direkt im eigenen Wohnzimmer.

In diesem Beitrag erfährst du, was eine Pflegestelle genau ist, welche Aufgaben im Alltag anfallen, welche Kosten und Absprachen üblich sind, und welche Punkte beim Schweizer Tierschutzrecht wichtig sind. So kannst du seriös starten, ohne dich zu übernehmen.

Was ist eine Pflegestelle für Katzen, und worin liegt der Unterschied zur Adoption?

Eine Pflegestelle nimmt eine Katze vorübergehend auf. Ziel ist fast immer die spätere Vermittlung an ein definitives Zuhause. Du bist also nicht „die Endstation“, sondern eine Brücke.



Eine Adoption ist das Gegenteil: Du übernimmst die Katze dauerhaft, inklusive aller Kosten, Entscheide und Verantwortung. Ein Tierheim wiederum ist eine Institution mit festen Strukturen und mehreren Tieren, oft mit Bewilligungen und Auflagen, die über eine private Pflegestelle hinausgehen.

Typische Fälle, in denen Pflegestellen gebraucht werden:

  • Fundkatzen, die gesichert werden müssen, bis die Besitzfrage geklärt ist.
  • Mutterkatzen mit Kitten, die Ruhe, Wärme und enges Monitoring brauchen.
  • Kranke Katzen nach Operationen oder mit ansteckenden Infekten, die isoliert werden müssen.
  • Sehr scheue Katzen, die im Tierheim stark gestresst wären.
  • Kurzfristige Notfälle, etwa wenn Halterinnen oder Halter ins Spital müssen.

Wichtig fürs eigene Herz: Als Pflegestelle begleitest du die Katze, du baust Vertrauen auf, und dann gibst du sie wieder ab. Das ist kein „Scheitern“, sondern der Sinn der Sache.


Mutterkatze mit Kitten

Typische Aufgaben einer Pflegestelle im Alltag

Der Alltag ist meist unspektakulär, aber er verlangt Aufmerksamkeit. Du bist die Person, die merkt, wenn etwas kippt, und du bist oft die erste, die Fortschritte sieht.

Zu den häufigsten Aufgaben gehören:

  • Grundversorgung: Füttern, frisches Wasser bereitstellen, Katzenklo reinigen, Schlafplätze sauber halten.
  • Beobachtung: Frisst die Katze? Trinkt sie? Ist der Kot normal? Putzt sie sich? Hinkt sie?
  • Beschäftigung: Spielen, sanfte Annäherung, Routine. Gerade scheue Katzen profitieren von ruhigen, wiederholten Abläufen.
  • Eingewöhnung: Sicherheit geben, Rückzug ermöglichen, Überforderung vermeiden.
  • Organisation: Termine beim Tierarzt, Impfen, Entwurmen, Kastration nach Plan des Vereins.
  • Austausch: Rückmeldungen an den Tierschutzverein oder das Tierheim, manchmal mit Fotos und kurzen Updates.

Je nach Katze kommt Dokumentation dazu. Das klingt trocken, hilft aber enorm: Gewicht (besonders bei Kitten), Appetit, Medikamente, Auffälligkeiten im Verhalten. Eine einfache Notiz im Telefon reicht oft.


Fundkatzen können krank sein, Medikamente und Pflege benötigen. Hier ist Erfahrung wichtig.

Für wen passt das, und für wen eher nicht?

Pflegestelle sein ist wie Gastfreundschaft mit Verantwortung. Es passt gut, wenn du Zeitfenster hast, in denen du wirklich präsent bist.

Das spricht für dich:

  • Du hast Geduld und bleibst ruhig, wenn eine Katze faucht oder sich versteckt.
  • Deine Wohnsituation ist eher stabil (wenig Baustellen, wenig Umzüge).
  • Du kannst täglich kurz prüfen, ob alles in Ordnung ist.
  • Du hältst es aus, die Katze später ziehen zu lassen.

Warnsignale, bei denen es oft schwierig wird:

  • Dein Kalender ist dauernd voll, du bist oft unterwegs, spontane Überstunden sind normal.
  • Du reist häufig, und Betreuung ist unklar.
  • Du hast null Toleranz für Kratzer, Streu neben der Kiste oder angeknabberte Pflanzen.
  • Starke Allergien in der Familie, die nicht gut kontrollierbar sind.

Kinder und Hunde sind nicht automatisch ein Problem. Es braucht aber klare Regeln, getrennte Bereiche am Anfang, und ein gutes Gefühl für Stress. Manche Pflegekatzen blühen in einer ruhigen Familie auf, andere brauchen ein stilles Zuhause ohne Trubel.

Recht und Tierschutz in der Schweiz: Diese Regeln musst du kennen

Die Basis bildet das Tierschutzgesetz (TSchG) und die Tierschutzverordnung (TSchV). Sie regeln, wie Tiere gehalten, betreut und vor Leiden geschützt werden müssen. Für Pflegestellen heisst das vor allem: artgerechte Haltung, Sorgfaltspflicht, und rasches Handeln bei Krankheit oder Verletzung.

Dazu kommen kantonale Unterschiede. Je nach Kanton können Meldungen, Kontrollen oder Vorgaben strenger sein, etwa bei vielen Tieren im Haushalt. Auch Gemeinden haben teils eigene Abläufe bei Fundtieren.

Ein wichtiger Punkt ist die Frage, ab wann eine Haltung als gewerbsmässig gilt oder wann eine Bewilligung nötig wird. Das kann relevant werden, wenn sehr viele Tiere aufgenommen werden, regelmässig Tiere weitergegeben werden, oder wenn Geld damit verdient wird. Eine seriöse Organisation spricht diese Themen offen an. Wenn du unsicher bist, frag beim kantonalen Veterinäramt nach, lieber früh als spät.

Haltungsanforderungen, Hygiene, Sicherheit (TSchV praxisnah)

Das Gesetz sagt nicht: „Du brauchst genau diese Marke Kratzbaum“. Es verlangt aber, dass die Haltung dem Tier entspricht und Schaden verhindert wird. In der Praxis heisst das: Sicherheit, Sauberkeit, Rückzug.

Bewährte Mindeststandards für eine Pflegestelle:

  • Rückzugsorte: Karton, Höhle, abgedecktes Bettchen, Platz unter einem Tisch. Eine Katze braucht die Option, unsichtbar zu sein.
  • Kratzmöglichkeiten: Kratzbrett oder Kratzbaum, sonst nimmt sie die Sofaecke.
  • Saubere Toiletten: Genug Klos, regelmässig gereinigt, und am richtigen Ort (ruhig, nicht neben dem Futter).
  • Frisches Wasser: Mehr als eine Schale, vor allem bei mehreren Katzen.
  • Fenster und Balkon sichern: Kippfenster sind riskant, Katzen können steckenbleiben. Balkone brauchen ein Katzennetz, wenn die Katze Zugang hat.
  • Ruhezone für Neuzugänge: Ein separates Zimmer für die ersten Tage ist Gold wert.

Das Stichwort dazu ist Quarantäne. Das klingt nach Labor, ist aber simpel: Neue Katzen sind oft krank, gestresst oder ungeimpft. Ein getrenntes Zimmer senkt das Risiko für deine eigenen Tiere und hilft der Pflegekatze, anzukommen.

Fundkatze, Chip, Meldepflicht: Was ist bei gefundenen Katzen zu tun?

Eine zutrauliche Katze vor dem Haus wirkt wie ein Geschenk. Rechtlich kann sie trotzdem jemandem gehören. Darum gilt: nicht einfach mitnehmen und „neu platzieren“, auch wenn’s gut gemeint ist.

So gehst du in der Schweiz meist richtig vor:

  1. Sichern: Katze in einen sicheren Raum bringen, wenn möglich, oder in Absprache mit Fachstellen. Vorsicht bei Bissgefahr.
  2. Chip prüfen lassen: Tierarzt, Tierheim oder teils auch Gemeinden können den Mikrochip auslesen.
  3. Fund melden: Je nach Ort bei Gemeinde oder Polizei, oft auch beim lokalen Tierheim. Viele nutzen zusätzlich Datenbanken wie die STMZ, damit Halterinnen und Halter ihr Tier wiederfinden.
  4. Gesundheit prüfen: Wenn die Katze verletzt oder sehr schwach ist, sofort zum Tierarzt. Bei Verdacht auf ansteckende Krankheit: isolieren.

Warum dieser Aufwand? Weil Eigentum und Verantwortung nicht einfach verschwinden, nur weil eine Katze draussen herumstreift. Und weil es fair ist: Viele Tiere werden verzweifelt gesucht.


Ist die Katze geschippt? Mit einem entsprechenden Gerät lässt sich schnell feststellen, ob sie registriert ist und ein Zuhause hat.

Vorbereitung zu Hause: So richtest du eine Pflegestelle katzengerecht ein

Stell dir vor, du kommst in ein fremdes Land, ohne Sprache, ohne Plan, mit Angst im Bauch. Genau so fühlen sich viele Pflegekatzen am ersten Tag. Deine Wohnung kann dann entweder wie ein ruhiger Hafen wirken, oder wie ein lauter Bahnhof.

Plane drei Dinge: Raum, Material, Routine.

Der Raum muss nicht gross sein. Ein kleines Zimmer mit Tür ist oft besser als eine ganze Wohnung ohne Struktur. Material muss nicht luxuriös sein, aber funktional. Und Routine ist das, was Katzen schnell lesen können: Futterzeiten, ruhige Bewegungen, klare Abläufe.

Ausstattung-Checkliste für Start und Notfälle

Du musst nicht alles im Voraus kaufen. Ein guter Grundstock spart aber Stress, wenn die Katze nachts Durchfall bekommt oder ein Kitten plötzlich nicht zunimmt.

Praktische Basics für den Start:

  • Transportbox (stabil, gut zu reinigen)
  • Näpfe für Futter und Wasser (am besten leicht zu waschen)
  • Futter nach Empfehlung des Vereins (bei Kitten oft energiereicher)
  • Katzenstreu, Schaufel, Müllbeutel
  • Kratzbrett oder kleiner Kratzbaum
  • Decken und waschbare Unterlagen
  • Spielzeug (Angeln, Bälle), auch für Bindung und Auslastung
  • Putzmittel und Küchenpapier, idealerweise tierfreundlich
  • Einmalhandschuhe für Hygiene bei Durchfall oder Parasitenverdacht
  • Waage für Kitten (kleine Küchenwaage genügt oft)
  • Separate Näpfe fürs Quarantänezimmer

Medikamente gibst du nur nach Plan und Anweisung. Keine Selbstmedikation mit Mitteln aus der Hausapotheke. Auch „harmlos“ gemeinte Salben können Katzen schaden.

Eingewöhnung, Zusammenführung, Stress vermeiden

Die ersten Tage entscheiden viel. Nicht, weil du alles richtig machen musst, sondern weil du Stress klein halten kannst. Stress ist bei Katzen oft der Auslöser für Durchfall, Appetitverlust oder Rückfälle bei Infekten.

Ein bewährter Ablauf:

  • Tag 1 bis 2: Ankommen im separaten Zimmer. Wenig Besuch, leise Stimmen, gleiche Futterzeit. Nicht herausziehen, wenn sie sich versteckt.
  • Tag 3 bis 5: Mehr Präsenz, kurze Spieleinheiten, erste Annäherung. Bei neugierigen Katzen gern mit Leckerli arbeiten.
  • Ab Woche 1: Langsame Zusammenführung mit anderen Tieren, wenn das überhaupt geplant ist.

Bei der Zusammenführung helfen einfache Schritte: Geruchstausch (Decke wechseln), Füttern auf beiden Seiten der Tür, kurze Sichtkontakte. Dann erst direkte Begegnungen, kurz und kontrolliert.

Warnzeichen für zu viel Stress:

  • Katze frisst gar nicht oder trinkt kaum
  • ständiges Verstecken ohne Entspannung
  • Durchfall, Erbrechen, starker Speichelfluss
  • aggressives Fauchen mit Angriffen
  • sichtbare Atemprobleme, Apathie

Bei deutlicher Verschlechterung gilt: Tierarzt oder die Ansprechperson beim Verein sofort informieren. Lieber einmal zu früh reagieren als zu spät.

Zusammenarbeit mit Tierschutzverein oder Tierheim: Ablauf, Kosten, Verantwortung

Die meisten Pflegestellen arbeiten in der Schweiz mit einem Tierschutzverein oder einem Tierheim zusammen. Das bringt Struktur: Du bist nicht allein, und die Vermittlung läuft über erfahrene Personen.

Typischer Ablauf:

  • Anfrage und Kennenlernen: Du sagst, welche Tiere du aufnehmen kannst (Kitten, Einzelkatze, Quarantäne möglich oder nicht).
  • Vorgespräch: Erwartungen, Zeit, andere Tiere im Haushalt, Ferienpläne.
  • Hausbesuch: Manche Organisationen machen das, andere nicht.
  • Pflegevertrag: Klare Regeln zu Kosten, Tierarzt, Vermittlung.
  • Betreuung: Eine fixe Kontaktperson, die du bei Fragen erreichst.

Kosten sind ein häufiger Knackpunkt. Seriöse Organisationen sprechen das offen an, bevor die Katze einzieht. Üblich ist: Der Verein trägt grosse Posten wie Kastration und nötige Behandlungen, oft auch Impfungen. Futter und Streu können je nach Verein gestellt werden oder bei der Pflegestelle liegen. Es gibt nicht „die eine“ Regel, darum ist Schriftliches so wichtig.

Pflegevertrag, Haftung und Versicherung: Das sollte geklärt sein

Ein Pflegevertrag ist kein Misstrauensvotum. Er schützt beide Seiten, auch im Notfall, wenn schnelle Entscheide nötig sind.

Diese Punkte sollten verständlich geregelt sein:

  • Dauer der Pflege: offen, bis vermittelt, oder fix für eine bestimmte Zeit.
  • Tierarztkosten: Wer zahlt was, und wer entscheidet im Notfall? Gibt’s eine Kostenlimite, ab der du anrufen musst?
  • Medikamente und Spezialfutter: Wer besorgt es, wer bezahlt es?
  • Vermittlungsprozess: Wer führt Gespräche, wer entscheidet, wie laufen Besuche ab?
  • Rückgabe-Regeln: Was passiert, wenn’s nicht passt oder du krank wirst?
  • Datenschutz: Wie werden Daten von Interessenten und Pflegestellen genutzt?

Auch das Thema Haftung gehört dazu. Katzen können Möbel zerkratzen, Vorhänge hochgehen, oder im Schreck jemanden kratzen. Klär mit deiner privaten Haftpflicht, was gedeckt ist, und frag den Verein, ob es zusätzliche Regelungen gibt. Bei Unsicherheit hilft ein kurzer Anruf bei der Versicherung oft mehr als lange Spekulationen.

Vermittlung: So hilfst du, dass die Katze gut ankommt

Pflegestellen sind für die Vermittlung unglaublich wertvoll, weil du die Katze im Alltag erlebst. Du siehst, ob sie Besucher mag, ob sie nachts aktiv ist, ob sie Kinder meidet, oder ob sie beim Staubsauger gelassen bleibt.

So unterstützt du seriös:

  • Ehrliche Beschreibung: Kein Schönreden. „Scheu am Anfang, taut nach einer Woche auf“ ist hilfreich.
  • Gute Fotos: Tageslicht, ruhige Umgebung, kein Blitz. Ein Foto im Spiel zeigt Charakter.
  • Klare Bedürfnisse: Einzelplatz oder Zweitkatze? Wohnungshaltung oder gesicherter Balkon? Freigang nur, wenn’s passt und sicher ist.
  • Alltagstipps: Futterplan, Lieblingsspiel, was beruhigt, was stresst.

Achte auf Red Flags bei Interessenten. Wer spontan „heute gleich“ holen will, keine Kastration plant, oder einen ungesicherten Balkon als „wird schon gut gehen“ abtut, passt oft nicht. Eine gute Vermittlung ist manchmal langsam, aber sie spart Rückgaben und Stress, für Mensch und Tier.

Am Schluss läuft die Übergabe idealerweise über den Verein, mit Schutzvertrag und allen Infos (Impfpass, wenn vorhanden, Chipdaten, Futtergewohnheiten).

Fazit: Pflegestelle sein heisst helfen, aber mit Plan

Eine Pflegestelle für Katzen in der Schweiz ist Verantwortung auf Zeit, mit Herz und klaren Absprachen. Du gibst Schutz, Struktur und Beobachtung, bis die Katze bereit fürs neue Zuhause ist, und genau das macht den Unterschied.

Die nächsten Schritte sind simpel: Such dir einen passenden Verein in deiner Region, bereite dein Zuhause mit Quarantäne-Option vor, und klär Recht, Kosten und Zuständigkeiten schriftlich im Pflegevertrag. Wenn du bei Fundtieren, Bewilligungen oder Haltung unsicher bist, frag beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierarzt nach. Wer gut vorbereitet startet, hilft länger, ruhiger und am Ende mehr Katzen.

 

Quelle: Katzennews.ch-Redaktion
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